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Novaesium Pipes and Drums 2015
Novaesium Pipes and Drums 2015

Great Highland Bagpipe (Dudelsack)

Great Highland Bagpipe, kurz auch GHB, Highland Pipes oder nur Pipes, gäl. piob mhor = große Pfeife, frz. cornemuse écossaise, breton. binioù braz, dt. Große Hochlandsackpfeife (als Bezeichnung unüblich) ist die Bezeichnung für die laute schottische Sackpfeife. Wegen ihrer enormen Lautstärke wird die Great Highland Bagpipe vornehmlich im Freien gespielt. Der Spieler wird als „Piper“ bezeichnet.

 

Aufbau

Die Great Highland Pipe besteht aus einem Windsack oder kurz Sack (bag), der über ein Anblasrohr (blow pipe), in welchem sich ein Rückschlagventil (traditionell aus Leder, heute meist Kunststoffkonstruktionen) befindet, mit Luft befüllt werden kann. In den Sack sind drei Bordunpfeifen (drones) und eine Spielpfeife (chanter) sowie das Anblasrohr eingebunden.

Traditionell bestehen alle Holzteile des Instruments aus Grenadill (engl. blackwood). In der heutigen Zeit werden auch Spielpfeifen aus hochwertigen Spezialkunststoffen angeboten, die weitgehend witterungsunempfindlich sind. Die verschiedenen Verzierungsteile sind traditionell aus Elfenbein (engl. real ivory) vom Walross oder seltener vom Elefanten gefertigt. In der heutigen Zeit wird aus Tierschutzaspekten meist ein synthetischer Elfenbeinersatz (engl. imitation ivory, art ivory) verwendet. Bei höherwertigen Instrumenten sind einzelne Verzierungsteile auch aus Metall (Nickel, Silber, Silber vergoldet) gefertigt, die hochglanzpoliert oder mit Gravuren versehen sind.

Der Sack ist traditionell aus Leder gefertigt und muss innen regelmäßig mit einem Dichtmittel (engl. Seasoning) behandelt werden, um luftdicht zu bleiben und trotzdem die beim Spielen anfallende Feuchtigkeit über die Oberfläche verdunsten zu können. Mittlerweile gibt es Kunststoffsäcke aus Gore-Tex. Der Kunststoffsack benötigt kein Dichtmittel, sollte aber trotzdem aus hygienischen Gründen regelmäßig gereinigt werden. Über den Sack wird üblicherweise ein Stoffüberzug (engl. cover) gezogen, der entweder in einem bestimmten Tartan gestaltet ist oder schlicht einfarbig gehalten ist.

Die Spielpfeife ist mit einem Doppelrohrblatt ausgestattet. Das Doppelrohrblatt wird üblicherweise aus Pfahlrohr hergestellt, Kunststoffrohrblätter konnten sich hier bisher nicht durchsetzen. Die Bordunpfeifen sind mit Einfachrohrblättern ausgestattet. Traditionell verwendet man für die Einfachrohrblätter ebenfalls Pfahlrohr, bei dem eine Zunge eingeschnitten wird (engl. cane reed). Diese Bauart ist sehr feuchtigkeitsempfindlich, daher werden heute oft Kunststoffkonstruktionen eingesetzt. Die Spielpfeife hat eine konische Bohrung mit starker linearer Steigung, woraus ein sehr lauter Klang mit vollem harmonischem Obertonspektrum resultiert. Die Bordunpfeifen sind zylindrisch gebohrt und grundtönig intoniert.

 

Stimmung und Tonumfang

Die Great Highland Bagpipe ist ein transponierendes Instrument; sie wird grundsätzlich in „A“ und traditionell ohne Vorzeichen notiert (A-mixolydisch hat korrekt notiert zwei Kreuze als Vorzeichen) unabhängig davon, wie sie tatsächlich klingt. Der Grundton A der Great Highland Bagpipe liegt sehr nahe bei einem B (engl. B flat) und hat je nach Hersteller und Spieler eine Frequenz zwischen 469 Hz und 482 Hz. Der Grundton ist nicht genormt. „concert pitched“ bezeichnet eine Spielpfeife, deren Grundton a¹ auf 440 Hz gestimmt ist, womit deren Grundton dem Kammerton entspricht, oder auf 466 Hz gestimmt ist, womit deren Grundton der gleichstufig gestimmten kleinen Sekunde über dem Kammerton, dem klingenden b¹, entspricht.

Der Tonumfang der Spielpfeife beträgt eine große None und reicht von g1 (low G) bis a2 (high A). Auf der Spielpfeife der Great Highland Bagpipe werden traditionell nur neun Töne gespielt, die bezogen auf den Grundton A eine mixolydische Skala ergeben. Die Intervalle zwischen den Tönen der Spielpfeife entsprechen nicht den Intervallen der gleichstufigen Stimmung, sondern bilden eine eigene Skala. Ein Zusammenspielen mit anderen Instrumenten ist daher nur begrenzt möglich. Modernere Stücke allerdings setzen auch (in sehr beschränktem Ausmaß) andere Töne ein, hier „Halbtöne“ genannt. Diese werden dadurch erreicht, dass die Grifflöcher nur halb von den entsprechenden Fingern geschlossen werden. Halbtöne können daher nur im Übergang zu einem höheren Ton gespielt werden. Es ist aber auch möglich, Spielpfeifen so einzurichten, dass die Halbtöne mittels Gabelgriffen gespielt werden können, was z. B. für die Wiedergabe traditioneller bretonischer Musik zur Anwendung kommt. Stücke mit Halbtönen werden zwar auch grundsätzlich in „A“ notiert, jedoch meist musikalisch korrekt mit zwei Kreuzen als Vorzeichen, um die Halbtöne durch zusätzliche Kreuze oder Auflösungszeichen ebenfalls korrekt notieren zu können. Für die Töne auf der Spielpfeife existieren traditionelle Bezeichnungen, die mittlerweile auch für die Halbtöne (kursiv in der Tabelle) eingeführt wurden.

 

Bezeichnung

notierter Ton

low G

g1

low A

a1

B flat

b1

B

h1

C natural

c2

C

c#2

D

d2

D sharp

d#2

E

e2

F natural

f2

F

f#2

high G

g2

high G sharp

g#2

high A

a2

 

Zwei der drei Bordune (tenor drones) sind eine Oktave unterhalb des Spielpfeifengrundtons gestimmt, also auf a0. Der dritte Bordun (bass drone) ist noch einmal eine Oktave tiefer auf den Ton A gestimmt, also zwei Oktaven unterhalb des Spielpfeifengrundtons.

 

Musik

Die traditionelle schottische Literatur für die Great Highland Bagpipe beinhaltet fast nur Stücke, die ohne die oben erwähnten Halbtöne auskommen. Daher stehen die Stücke in A-mixolydisch (Bordune auf dem Grundton) oder D-hypoionisch bzw. D-Dur (Bordune auf der Quinte zum Grundton). Um ohne den Gebrauch der Halbtöne in äolisch bzw. (reinem) moll spielen zu können, gibt es einige wenige Stücke, die in H-äolisch stehen. Die Bordune stehen dabei auf der kleinen Septime zum Grundton, was klanglich etwas gewöhnungsbedürftig ist. Bei nicht traditionell schottischer Literatur kommen auch die Halbtöne, insbesondere das C natural und das F natural zum Einsatz, womit sich auf dem Grundton A (Bordune auf dem Grundton) auch Stücke im dorischen und äolischen Modus und auf dem Grundton D (Bordune auf der Quinte zum Grundton) Stücke im hypodorischen und hypoäolischen Modus erschließen.

 

Solovortrag

Das solistische Spiel auf der Great Highland Bagpipe ist häufig anzutreffen, da nur beim Solovortrag bestimmte instrumentenspezifische Spieltechniken wie z. B. die „grace notes“, sehr kurze Töne zwischen den eigentlichen Tönen der Melodie, voll zur Geltung kommen. Neben der Literatur, die auch zu mehreren gespielt wird, existiert Literatur speziell für den Solovortrag wie z. B. das Piobaireachd. Der Solovortrag erlaubt darüber hinaus in besonderem Maße den Gebrauch der Halbtöne, da hier keine Intonationsprobleme mit anderen Great Highland Pipes auftreten können.

 

 

Great Highland Bagpipe und andere Instrumente

Die Great Highland Bagpipe wird als Soloinstrument gelegentlich zusammen mit der Orgel verwendet. Reibungen zwischen den Intonationen der Great Highland Bagpipe und der Orgel werden dabei in Kauf genommen. Die Great Highland Bagpipe wird auf den Ton B der Orgel gestimmt, sofern diese mit a¹ ≈ 440 Hz gestimmt ist.

Im Rahmen größerer Blasmusikfestivals, so etwa dem Edinburgh Military Tattoo, werden Great Highland Bagpipes mit anderen Holz- und vor allem Blechblasinstrumenten kombiniert. Praktisch spielen dabei meist Pipes & Drums zusammen mit Blasorchestern. Die Stimmung der beteiligten Instrumente ist in der Regel unkritisch, da die meisten verwendeten Holz- und Blechblasinstrumente zum einen vollchromatisch spielbar sind und zum anderen häufig auf B oder Es gestimmt sind.

„Bisher ist selten versucht worden, den Dudelsack mit klassischen Orchesterinstrumenten zu kombinieren“, so äußert sich der Komponist Graham Waterhouse über sein Werk Chieftain’s Salute für Great Highland Bagpipe und Streichorchester (2001), „weil seine Stimmung nicht temperiert und sein "Urlaut"-Klang zu durchdringend ist. Seine Vorzüge bleiben so ungenutzt ... Das Problem der Lautstärke und unausgeglichenen Klangbalance wurde in Chieftain's Salute durch räumliche Distanz des Dudelsackpfeifers zum Orchester gelöst.“

Rufus Harley führte das Instrument 1965 in den Modern Jazz ein.

 

Quelle: Wikipedia

 

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